Erinnerung lernen

Liebe Besucherinnen und Besucher unserer Website,

am 16. November präsentierte das Czernowitzer Museum für jüdische Geschichte und Kultur der Bukowina sein Projekt mit dem Arbeitstitel „Ein Kinderbuch über den Holocaust in Comics und Photographien“ im Rahmen der Ausstellungseröffnung „Werkstätten der Erinnerung“. Diese Ausstellung im Kiewer Stadtmuseum wurde von der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf in Kooperation mit Institutionen und Organisationen aus verschiedenen ukrainischen Städten (Czernowitz, Kiew, Kremenez, Krementschuk, Lwiw, Tscherkasy, Ushhorod, Winnyzja) vorbereitet, um neue Formen und Methoden der Erinnerungs- und Bildungsarbeit zur Geschichte des Holocausts zu entwickeln. Da unsere Idee solch ein starkes Interesse und ebenfalls viele Fragen, Verwunderung und teilweise sogar offene Ablehnung hervorgerufen hatte, halten wir es für notwendig, einige Erklärungen zu geben.

Die Idee, eine solche – auf den ersten Blick ungewöhnliche – Publikation vorzubereiten, entwickelte sich schon seit längerem aus unserer Arbeitserfahrung mit der jüngsten Besuchergruppe – den Schülern. Um Kindern die Tragweite des Genozids an den Juden in ihrer Region und ihrer Stadt zu verdeutlichen, ohne sie zu traumatisieren, reichen Standardmethoden nicht aus. Die Erfahrungen von Museen und Gedenkstätten in Westeuropa (z.B. dem Anne-Frank-Haus in Amsterdam) zeigen, dass Kindern diese Geschichte am besten in der Sprache ihrer Altersgenossen und einer bildhaften Sprache nahe zu bringen ist. Das Genre des Comics wird bereits häufig verwendet, um ein bestimmtes historisches Narrativ zugänglich darzustellen. Seit kurzem erfreut sich dieses Genre auch in der Ukraine einer gewissen Popularität, wie das Projekt „Воля: Thе Will” („Der Wille“) zeigt: http://www.ugar.com.ua/komiksy/komiks-volyathe-will/ .

Aber im Fall unseres Kinderbuches über den Holocaust – illustriert von der jungen und talentierten Czernowitzer Künstlerin Anna Tarnowezka – geht es nicht um Karikaturen oder lustige Bilder. Unsere Idee ist es, eine Sammlung von „Graphic Novels“ zu schaffen – eine Publikation in dem Genre, das seit der Veröffentlichung von Will Eisners „A Contract with God“ („Ein Vertrag mit Gott“) im Jahre 1978 immer populärer wurde.

Die erschütternden Geschichten des Buches werden absolut ernsthaft dargestellt und basieren auf den Erinnerungen von Augenzeugen. Einige von ihnen sind noch am Leben haben freundlicherweise ihre Erinnerungen mit uns geteilt. Wir sind ihnen sehr dankbar und hoffen, dass sie die ersten Leser und Kritiker des Buches werden. Die Glaubwürdigkeit ihrer Geschichten wird noch durch Photographien und Dokumente aus den Familienarchiven unserer Helden, sowie aus den Beständen des Staatlichen Archivs der Czernowitzer Oblast und aus verschiedenen öffentlichen und privaten Sammlungen verstärkt. Neben der Künstlerin arbeiten in dem Team zur Erarbeitung des Buches Museumspädagogen, Historiker und Kinderpsychologen zusammen.

Wir erwarten, dass die digitale Version des Buches in neun bis zehn Monaten fertig gestellt sein wird. Die Arbeit an diesem Buch haben wir aufgenommen, um uns damit am Projekt „Erinnerung lernen“ der eingangs erwähnten Jüdischen Gemeinde Düsseldorf (Projektkoordinator Matthias André Richter) zu beteiligen.

Wir sind dankbar für Ihre Kritik, Ideen und Vorschläge!

     

Bildnachweis: Museum der Geschichte der Stadt Kiew

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